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Bandy

Die Bandy-Geschichte

Die Bandy-Geschichte

Hockey und Bandy wurden früher für die gleiche Winter-Ball-Sportart benutzt, die mit einem gebogene Stock, einem Krummstock oder Schläger genannt, auf zugefrorenen Eisflächen an der frischen Luft gespielt wurde. Die Spielregeln ähnelten den Fußball- und Feldhockey-Regeln.

Anfang des frühen 19. Jahrhunderts trennten sich die Bandy- und Hockey-Wege: Ab ca. 1860 ersetzte beim Eishockey ein sog. "Puck" (also eine Scheibe aus Hartgummi) den bis dahin üblichen Ball.

Kanadier entwarfen dann die ersten Regeln für das heutige Eishockey (in denen sie Bestimmungen aus dem Rugby integrierten), die als sog. "Canadian-Rules" für eine Trennung der beiden Sportarten Bandy und Eishockey sorgten. Außerdem wurde beim modernen Eishockey das ursprünglich Fußballplatz-große Spielfeld auf ca. 60 m x 30 m Icerink-Größe verkleinert und Eishockey konnte somit witterungsunabhängig auch in den zu Anfang des 19ten Jahrhunderts aufkommenden modernen Eissporthallen gespielt werden.

Bandy-Ball

Aufgrund der Fußballplatz-großen Spielfläche beim Bandy-Sport hatte diese Sportart den Nachteil, dass man Bandy nur in sehr kalten Regionen auf zugefrorenen Seen usw. spielen konnte.

Viele Bandy-Clubs wechselten dann Anfang des 20ten Jahrhunderts ins Eishockey-Lager und der Bandy-Sport verschwand in vielen Ländern der Welt von der Bildfläche und geriet in die Vergessenheit.

Die älteste Aufzeichnung über Bandy- oder Hockey-Sport ist schon über 4.000 Jahre alt und stammt aus einem ägyptischen Pharaonengrab. In den Grabgemälden von Pharao Beni Hasan, im Niltal, nahe Minia in Ägypten, findet man schon ein Relief von Bandy-Spielern. Auch im alten Persien gibt es Wandmalereien, die schon die Freizeitbeschäftigung "Bandy" zeigen. Andere Bandy-ähnliche Spiele waren in früheren Jahrhunderten auch das "asiatische Polo" (welches ohne Pferde gespielt wurde), das japanische "Kachi" oder "Dakyu" und das aztekische "Cheuca" (welches mit gebogenen Rehknochen und einem hölzeren Ball gespielt wurde).

Historische Dokumente und Wandmalereien erwähnen Bandy-ähnliche Spiele auch schon im alten Griechenland (480 vor Chr.), zur Zeit des Krieges in Marathon.

Die Schlittschuhe waren dabei bis in die Zeit der Industrialisierung aus Knochen.

Die alten Römer sollen das Bandy-Spiel aus Griechenland übernommen haben und man nannte es "Paganica", welches mit einem gekrümmten Stock und einem Lederball gespielt wurde. Durch das römische Reich verbreitete sich dieses Spiel dann nach Nordeuropa.

In Island z.B. wurde es unter dem Begriff "Knatteikr" im 9ten Jahrhundert bekannt und besondere historische Wettkämpfe – mit den isländischen Heroen - werden noch heute in mehreren isländischen Legenden und Sagen erwähnt. Es wird behauptet, dass Auswanderer von den britischen Inseln diese Sportart bereits zu Anfang des ersten Jahrtausends nach Island gebracht hätten. In Irland entstand daraus die "Hurling"-Sportart welche dort noch heute traditionsbewußt und intensiv gespielt wird und sehr berühmt ist.

In Schottland entstand aus Bandy der "Shinty"-Sport. Der schottische König Alexander I (11tes Jahrhundert) soll z.B. nach Angaben in alten Geschichtsbüchern ein begeisterter Spieler gewesen sein. Shinty gehört in Schottland ebenfalls heute noch zu den einheimischen Traditions-Sportarten und wird heute in einer Liga aus 40 Vereinen gespielt.

In einem über 200 Jahre alten englischen Buch über "Sports and past times" von Joseph Strutt aus dem Jahre 1801 wurde Bandy alspopulärer Wintersport des Mittelalters beschrieben. In diesem Buch wird auch beschrieben, dass der Name "Bandy" von dem englischen Wort 'bent stick'oder'bando-stick' (walisisch) – für gekrümmten Stock – herkommen soll. In Walisisch heißt 'bando' (vom alt-teutonischen Ausdruck 'bandja') "krummer Stock" und in einem volkshistorischen Museum in Wales werden heute noch solche Bandy-Spielstöcke aus dem 14ten Jahrhundert ausgestellt.

Übrigens: Im Englischen sagt man heute noch zu Menschen mit O-Beinen, sie seien "bandylegged" (säbelbeinig).

Gemälde vom Bandy-Spiel auf dem Eis von Aert van der Neer (1642)

In Holland ist der alte Volkssport "Kolv" dem Bandy sehr ähnlich und ein holländisches Öl-Gemälde aus dem 16ten Jahrhundert zeigt hier "Kolv"- bzw. Bandy-Spieler auf dem Eis.

Auch in William Shakespeares (1564 – 1616) "Romeo und Julia" wird Bandyexplizit erwähnt: "Der Prinz verbietet dort das Bandy-Spielen in den Straßen von Verona" ("The Prince expressly hath forbidden bandying in the Verona streets").

antike Bandy-Schläger

In Frankreich nannte man Bandy "hocquet" und in England benutzte man das Wort "hawkey" für Bandy - aus dem dann später das Wort Hockey entstand.

Das moderne Bandy ist Anfang des 19. Jahrhunderts in den Fens im Osten Englands entstanden. Die ersten Vereine waren der walisische Bury Fen Bandy Club, wo bereits 1790 Bandyspiele erwähnt wurden.

Bury Fen Bandy-Team 1930

1875 wurde das erste reguläre Bandy-Match im Crystal Palace, der damaligen Fortschritts-Attraktion im Londoner Hyde-Park, ausgetragen.

Zunächst waren die Bandy-Spielregeln noch nicht festgelegt und man einigte sich jeweils erst vor dem Spiel, nach welchen Regeln gespielt werden sollte.

Erst im Jahre 1891 wurden in England mit der Gründung der "National Bandy Association" die Spielregeln festgelegt und beschlossen, dass Bandy eine Eissportart ist und somit nur im Winter auf zugefrorenen Seen, auf 65 m x 110 m großen Spielfeldern mit 11 Spielern gespielt wird. Die Regeln waren ansonsten ähnlich denen des Fußballs (Soccer) bzw. denen des Feldhockeys.

Ende des 18ten Jahrhunderts wurde Bandy nach Skandinavien, Deutschland und in die Schweiz exportiert: Seit 1894 gehörte der Bandy-Wettbewerb zwischen St.Moritz und Davos zu den jährlichen Wintersport-Attraktionen.

nostalisches Bandy-Spiel 1909 in Leipzig

  • In Berlin wurden 1901 der erste deutsche Bandy-Verein - der Charlottenburger Eislaufverein - gegründet, der seine Spiele im Winter auf dem Spree-Damm austrug
  • In Schweden wurde 1895 den ersten Bandy-Club gegründet und 1901 wurde der erste Wettbewerb zwischen Uppsala und Stockholm ausgetragen
  • Auch in Holland – in Haarlem – wurde bereits 1891 der erste Bandy-Club gegründet
  • Die erste Bandy-Europameisterschaft fand bereits 1913 in der Schweiz statt
  • Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges "verschwand" dann aber leider das Bandy-Spiel in vielen Ländern von der Bildfläche und geriet zunächst in Vergessenheit
  • Nach dem ersten Weltkrieg wurden stattdessen überall Eishockey-Clubs gegründet - Eishockey wurde auf der kleineren 60 m x 30 m große Eisfläche und den Puk und war dadurch schneller und attraktiver
  • Erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Bandy "wiederentdeckt" und man führte das "Rinkbandy" ein, welches ebenfalls auf kleineren Eisflächen in heutigen Eissporthallen gespielt wird - das Handicap gegenüber dem Eishockey war dadurch eleminiert
  • Seit 2013 gibt es auch wieder eine German Bandy Association, einen Deutscher Bandy-Bund